Foto: AgaNeben meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Beauftragter der Stadt Wien für Universitäten & Forschung war ich zunächst Abgeordneter zum Nationalrat. Die beiden Rollen haben sich ergänzt, wie ich im Gespräch mit Martin Thür erläutern konnte. Nun habe ich den Wechsel in den Wiener Gemeinderat vollzogen.

Durch die Einrichtung eines Beauftragten für Universitäten und Forschung unterstreicht die Stadt Wien die hohe Bedeutung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Als einzige internationale Großstadt Österreichs und eine der größten Städte im deutschsprachigen Raum wird sich Wien verstärkt als weltoffene Forschungsmetropole präsentieren, die innovationsfreundlich, modern und zukunftsorientiert ist und sich bemüht, die klügsten Köpfe anzuziehen.

Wien ist Standort eines guten Dutzends von Universitäten, Privatuniversitäten und Fachhochschulen sowie der Akademie der Wissenschaften und selbstständiger Forschungsinstitute. Wien ist daher DER Standort von Forschung und Wissenschaft in Österreich und hat alle Chancen, sich zu einem Blickfang und Prototyp moderner Wissensgesellschaften weiter zu entwickeln.

Spitzenforschung ist international

Wien kann als Hochschul- und Forschungsstandort zur internationalen Spitze aufschließen. Das hat die Stadt in einigen Bereichen schon gezeigt. Signale für einen offenen und dynamischen Forschungs- und Wissenschaftsstandort Wien wesentlich für eine wachsende Science Community. Doch wie einfach ist es für Studierende und ForscherInnen an Wiener Universitäten anzuknüpfen? Welche Barrieren und Probleme gibt es, wenn es um Mobilität und Austausch geht?

Als Beauftragter der Stadt Wien für Universitäten und Forschung bemühe ich mich in Gesprächen mit VertreterInnen der Universitäten, aus dem Forschungs- und Wissenschaftsumfeld sowie den zuständigen Magistratsabteilungen, die Öffnung der Stadt und ihre internationalen Chancen zu thematisieren.

Der Blick über den Tellerrand scheint zum Teil durch mangelnde Information und Missverständnisse gehemmt zu werden. Für die Bildungsmetropole Wien ist es wichtig, diese Hindernisse zu beseitigen. Spitzenforschung ist international und Wien kann es sich nicht leisten, sich abzuschotten.

Sprachrohr

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Als Sprachrohr für die Wissenschafts-Community in der Stadt nimmt der Stadtbeauftragte eine Brückenfunktion zur Politik, insbesondere zur Stadt Wien, wahr. Er forciert den Dialog, entwickelt Vorschläge zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und greift sowohl internationale Trends und Kontakte wie auch österreichweite und kommunale Ansätze auf.

Das bedeutet laufenden Dialog mit Akteuren aus unterschiedlichsten Bereichen und Kommunikation der Möglichkeiten Wiens als international ernst zunehmender Forschungsstandort (auch innerhalb Wiens). Um den Universitäts- und Forschungsstandort Wien voranzutreiben und zu positionieren soll der internationale Austausch mit vergleichbaren Regionen und Best-Practice-Modellen moderner Wissensgesellschaften forciert werden.

Konkrete Eckpfeiler der Tätigkeit des Stadtbeauftragten:

  • Laufender Dialog zwischen Stadt & Wissenschaft
    Regelmäßige Veranstaltungen, Besuche an Standorten, Austausch mit Akteuren
  • Analyse von Stärken und Problemfeldern – Entwicklung konkreter Vorschläge
    Erarbeitung konkreter Vorschläge zur Verbesserung der Situation der Universitäten und Forschungslandschaft in Wien. Entwicklung möglicher interessanter Zukunftsfelder für Wien als Standort.
  • Regelmäßiger Bericht zur Lage der Universitäten und Forschung Wiens
    Der jährliche Bericht fokussiert auf jeweilige Schwerpunkte, bringt entsprechende Analyse ein und thematisiert konkrete Empfehlungen.
  • Internationaler Austausch
    Vernetzung mit internationalen Institutionen und Akteuren zur Entwicklung möglicher Kooperationen und gegenseitigem Austausch in Schwerpunktfeldern.  Neben vergleichbaren Städten Europas soll auch ein Augenmerk auf die wachsenden Zukunftsmärkte geworfen werden (etwa beim Megathema „Die Zukunft der Stadt & Energieversorgung“).
  • Maßnahmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
    Erarbeitung und Überprüfung entsprechender Modelle.

Dem drohenden Ruin des Universitätsstandortes massiv entgegen treten

WWTF/Florian Stecher

Der Bundesfinanzrahmen verursacht unmittelbaren Schaden für den Wissenschaftsstandort Wien weil er Akzente setzt, die dem Ziel einer modernen Wissensgesellschaft nicht entsprechen. Die Situation an den Wiener Universitäten verschlimmert sich weiter. Nicht nur Studierende sind betroffen sondern alle „BildungsarbeiterInnen“ in Ausbildung, Lehre und Forschung.

Viele außeruniversitäre Forschungsinstitutionen sind von der Schließung bedroht.  Wien (und damit Österreich) steht eine internationale Blamage ersten Ranges bevor, wenn z.B. weltweit anerkannte und gut vernetze Institute wie das IFK (Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften) oder das IWM (Institut für die Wissenschaften vom Menschen) aufgrund der vom Bund initiierten Kürzung von Finanzmitteln ihre Pforten schließen müssen.  Es gilt, eine derartige substantielle Schwächung zentraler Institutionen Österreichs zu verhindern.

Umfeld – das weltoffene Wien braucht entsprechende Rahmenbedingungen

Die Attraktivität Wiens ist aufgrund der guten Lebensqualität nach wie vor hoch. Im Bereich der universitären Bildung und der Spitzenforschung bedarf sie jedoch maßgeblicher Verbesserung.  Dem Brain-Drain von Spitzenkräften muss entgegen gewirkt werden. Wien soll ein Standort werden, der die besten Köpfe anzieht. Das mag auch die Idee hinter der Rot-Weiß-Rot-Karte gewesen sein. Funktioniert hat sie freilich nicht. Derzeit verlassen jedes Jahr mehr Hochqualifizierte und gut Ausgebildete Wien, als hier ausgebildet werden oder zuwandern. Die kontinuierliche Verschlechterung der Rahmenbedingungen für Universitäten und Forschung ist ein wesentlicher Grund dafür. Neben anderen Umfeld-Faktoren wie behindernde Fremdengesetze und ein insbesondere bundespolitisch vermitteltes Klima, das keineswegs Weltoffenheit und Internationalität entspricht. Die sich laufend verschlimmernde Rechtslage und Praxis im Umgang mit unterschiedlichsten MigrantInnen-Gruppen hat Auswirkungen auf das Image des Landes und die Bereitschaft von Hochqualifizierten, nach Österreich zu kommen. Das kann sich die Stadt nicht leisten. Wien kann und wird seine Stimme gegen diese Politik erheben.

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